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Nachhaltige Entwicklung, der Abbau des Spannungsverhältnisses zwischen Ökonomie und Ökologie, das einträchtige Zusammenleben von Mensch und Natur – viel diskutierte Themen, die oft auf einer sehr abstrakten Ebene bleiben. Die UNESCO hat mit dem Weltnetz der Biosphärenreservate ein Instrument geschaffen, international repräsentative Modellregionen für die Verknüpfung des Schutzes der biologischen Vielfalt mit dem Streben nach wirtschaftlicher und sozialer Entwicklung und dem Erhalt kultureller Werte anzuerkennen.

Hamburg verfügt bereits über ein Biosphärenreservat: der Nationalpark Hamburgisches Wattenmeer ist als Biosphärenreservat anerkannt worden. Bei nur rund 40 Einwohnern im gesamten Gebiet dominiert hier aber der Schutzzweck des Nationalparks. Die UNESCO strebt jedoch an, Biosphärenreservate gerade in dichter besiedelten Gegenden, in denen das Spannungsverhältnis zwischen Natur und Wirtschaft größer erscheint, zu schaffen.

Seit 2012 arbeitete die Gesellschaft für ökologische Planung e.V. (im Folgenden GÖP) an der Idee der Einrichtung eines Biosphärengebietes Hamburgische Elblandschaft. Die Elblandschaft in/ bei Hamburg bildet einen repräsentativen Ausschnitt einer Natur- und Kulturlandschaft von besonderer Vielfalt, Eigenart und Schönheit in einem urbanen Raum. Das Potenzial für ein Biosphärenreservat speist sich unter anderem auch aus dem prozentual höchsten Anteil an Naturschutzgebiets-Flächen eines deutschen Bundeslandes und dem starken Umwelt-Image (z.B. Europäische Umwelthauptstadt 2011).

Ein historisch gewachsenes Miteinander von Mensch und Natur prägt die Landschaft, in der die einmalige Süßwasser-Tideaue der Elbe, Überflutungsflächen, Deiche, Fluss-Altarme, die Marsch mit Beet-Strukturen, Gräben und Wettern, Bracks, der (bewaldete) Geesthang, Binnendünen, Trockenrasen, Bodenentnahme-Stellen, Obstwiesen, Gehölz-Inseln, der Geest-Rand mit Mooren, Bächen, Wald und Heide, Knicks und Kleingewässern, die Region genauso prägen wie Bau- und Bodendenkmäler, Landwirtschaft, Schifffahrtswege und Hafen, (alte) Wasserwerke, Kleingärten, Friedhöfe, Parks und Landschaftsgärten, Golfanlagen, Internationale Gartenschau, Museen, Gewerbe und Industrie (AIRBUS), Bahnanlagen und Böschungen, ehemalige Deponie- und Ablagerungsflächen, Dorfstrukturen und Elb-Stadtteile.

Es ist insgesamt eine Region, die in besonderer Weise Modell sein kann für die Verknüpfung des Schutzes der biologischen Vielfalt, mit dem Streben nach wirtschaftlicher und sozialer Entwicklung und dem Erhalt kultureller Werte. Zudem eine gute Möglichkeit dem UNESCO-Wunsch nach Schaffung von Biosphärenreservaten in dichter besiedelten Gegenden gerecht zu werden, ohne die fachlichen und formalen UNESCO-Kriterien schlechter zu erfüllen als andere Biosphärenreservate. Zwar würden nur ca. 170.000 Personen direkt im Biosphärengebiet wohnen, im direkten Umfeld leben aber weitere 2,5 Mio. Menschen.


Der Wunsch der UNESCO, stärker besiedelte Gebiete als Biosphärenreservate auszuweisen/ anzumelden führte in der Gesellschaft für ökologische Planung e.V. zu der Idee, die Möglichkeit der Anmeldung eines solchen Gebietes in Hamburg zu prüfen. Im Ergebnis zeigt sich, dass ein „Biosphärengebiet Hamburgische Elblandschaft“ in Übereinstimmung mit den UNESCO-Kriterien möglich und aus vielerlei Gründen auch wünschenswert wäre. Gerade angesichts steigender Einwohnerzahlen und wachsender Wirtschaftskraft ergibt sich eine besondere Herausforderung, Freiflächen zu erhalten, Biodiversität zu fördern und Nachhaltigkeit zu erzielen.


Im Juni 2012 wurde ein Grundlagenpapier zur Idee der Schaffung eines „Biosphärengebiets Hamburgische Elblandschaft“ veröffentlicht und fortlaufend aufgrund zahlreicher Anregungen überarbeitet.

Nach einem Workshop 2012 und diversen Gesprächen und Diskussionen tagte 2013 dreimal ein „Koordinationskreis“ aus Vertretern des Naturschutzes, der (nachhaltigen) Nutzer (u.a. Angler, Jäger und Vertreter der Landwirtschaft) und der Kommunalpolitik und einigte sich auf eine detaillierte Beschlussvorlage. Es wurde deutlich, dass aus sehr verschiedenen Interessenstandpunkten und Blickrichtungen ein mögliches Biosphärenreservat positiv eingeschätzt und als Chance gesehen wurde. Gleichwohl ist zu berücksichtigen, dass die Beteiligten nicht Delegierte ihrer Gruppen waren, sondern als Einzelpersonen (mit ihrer institutionellen Bindung) auftraten und natürlich eher Befürworter als Opponenten des Vorhabens sich die Zeit nahmen, an der Konzeptgestaltung intensiver mitzuwirken. Ebenfalls 2013 führte die GÖP neun „Regionalforen“ durch (die Teilnehmerzahl schwankte zwischen zwei und über 70 Anwesenden) auf denen sich Bürger (unter ihnen viele Landwirte) informierten und teils unterstützende, teils zweifelnde oder ablehnende Kommentare abgaben.

2016 wurde mit Unterstützung der Michael-Otto-Stiftung für Umweltschutz ein abschließender Bericht erstellt, der sich auch ausführlich mit den geäußerten Argumenten gegen ein Biosphärengebiet auseinandersetzt und das Gesamtkonzept modifiziert.

Abschlussbericht Biosphärengebiet Hamburgische Elblandschaft