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Die Boberger Niederung ist durch ein breites Mosaik an verschiedenen Lebensraumtypen eines der vielfältigsten Naturschutzgebiete ganz Norddeutschlands. Soviele Rote Liste Tier- und Pflanzenarten wie in kaum einem anderen Naturschutzgebiet Hamburgs und ganz Norddeutschlands finden hier einen letzten Rückzugsraum und begründen die herausragende Bedeutung dieses Naturschutzgebietes in Hamburg.

Vor Unterschutzstellung war das Gebiet Naherholungsgebiet, in dem eine Vielzahl an Freizeitnutzungen stattfanden. Heute sieht die Naturschutzverordnung neben dem vorrangigen Naturschutz weiterhin eine eingeschränkte Freizeitnutzung vor. Das führte zu zunehmenden Konflikten zwischen Nutzern des Gebietes und Anforderungen des Naturschutzes. Viele der interessanten Landschaften waren von dem damals bestehenden Wegenetz nicht einsehbar und erlebbar. Folge war, dass sich zahlreiche Trampelpfade zu den „Oasen“ entwickelten. Daher wurde ein umfassendes Wege- und Erholungskonzept zur naturschutzgerechten Besucherlenkung notwendig.


Das Projekt sollte insbesondere ein Wege- und Erholungskonzept entwickeln, das einerseits die Erfordernisse des Naturschutzes berücksichtigt und andererseits den Besuchern des Gebietes die Möglichkeit bietet, die Besonderheiten und die Einzigartigkeit der Natur zu erfahren. Die Konzeption des Projektes sollte unter weitestgehender Einbeziehung der Nutzer stattfinden, um die Akzeptanz des Konzeptes und der vorgeschlagenen Maßnahmen zu erhöhen.

Analyse und Optimierung des bestehenden Wegenetzes aus naturschutzfachlicher Sicht

Die Boberger Niederung ist von einem sehr dichten Netz aus offiziellen Wegen, Trampelpfaden und Reitwegen durchzogen. Da es sich in weiten Teilen um eine offene Dünen-, Trockenrasen-, und Heidelandschaft handelt, haben sich viele Trampelpfade gebildet, die z.T. so sehr ausgetreten sind, dass sie von den offiziellen Wegen kaum mehr unterschieden werden können. Durch dieses engmaschige Wegenetz haben aber Pflanzen und Tiere kaum Rückzugsmöglichkeiten und ungestörte Bereiche. So brüten die meisten Vögel in einer Zone von 4 Metern an Wegen nicht.

Ziel eines neuen Wegenetzes musste es also sein, die Anzahl der Trampelpfade drastisch zu verringern und gleichzeitig den legitimen Wünschen der Besucher Rechnung zu tragen, indem sie alle interessanten Teile der Naturlandschaft auch von den Wegen aus erleben können.


Konsultations- und Abstimmungsprozeß mit den betroffenen Nutzern des Gebietes, d.h. kommerzielle Nutzer, wie Landwirte, die im Gebiet Flächen bewirtschaften; Pferdestallbesitzer, deren Kunden das umfangreiche Reitwegenetz nutzen, sowie der Wasserverband, der die Wasserstände in den Gräben, Fließgewässern und Teichen reguliert. Daneben existieren Freizeitnutzer im Rahmen von Angel- und Segelflugvereinen, Badegäste, Sportler wie Skater und Fahrradfahrer, Spaziergänger und Hundebesitzer.

Erarbeitung des Wege- und Erholungskonzeptes in Abstimmung mit den anderen Naturschutzverbänden der Pflegegemeinschaft Boberger Niederung und der Stiftung Naturschutz und Stiftung zum Schutze gefährdeter Pflanzen als Betreiber des Naturschutzinformationshauses Boberg und Abstimmung des Konzeptes und der dafür notwendigen Maßnahmen mit den zuständigen Behörden.

Einrichtung von Natur-Info-Pfaden
Um den Besuchern die Tier- und Pflanzengemeinschaften der verschiedenen Lebensräume der Boberger Niederung näher zu bringen, wurden verschiedene Natur-Info-Pfade entwickelt. Auf diesen Pfaden kann der Besucher exemplarisch die beschriebenen Lebensräume erkunden. Große Übersichtskarten, die über die Natur-Info-Pfade informieren, sind an den wichtigsten Eingangsbereichen des NSG aufgestellt. Die Wege sind mit farbigen Symbolen gekennzeichnet. Erläuterungstafeln an ausgewählten Stellen sowie Faltblätter mit ausführlicheren Wegbeschreibungen und Naturerläuterungen informieren die Besucher über Besonderheiten im Gebiet. Die Faltblätter sind unentgeltlich bei uns und im Naturschutzinformationshaus Boberg erhältlich. Die vier Natur-Info-Pfade sind: Dünenweg mit dem Kennzeichnungssymbol Schmetterling, Moorweg mit dem Symbol Vogel, Wiesenweg mit dem Symbol des Hasen und den Terrassenweg mit dem Symbol einer Blume.

Ausrichtung der fortlaufenden naturschutzfachlichen Pflegemaßnahmen auf die Erfordernisse des Konzeptes: Im Laufe des Projektes wurden daher viele Pflegemaßnahmen im Gebiet durchgeführt, die einerseits naturschutzfachlich begründet waren, aber gleichzeitig auch der Steigerung der Attraktivität des Wegenetzes dienten, so dass Besucher nun die Landschaft erleben können, ohne dass sie die Wege verlassen müssen. Ein Großteil der naturschutzfachlich gebotenen Pflegemaßnahmen, besteht in der Pflege und Wiederherstellung offener Dünen-, Trockenrasen- und Heidebereiche. So wurde z. B. entlang des Walter-Hammer-Weges sehr umfangreicher Hybridpappelaufwuchs entfernt, der nicht standortgerecht war. Erwünschter Nebeneffekt dieser Maßnahme war, dass die Besucher jetzt vom Wege aus Einblicke in die Heidelandschaft gewinnen konnten, die vorher durch die Pappelgehölze verborgen gewesen sind. In den drei Jahren wurden umfangreiche Kiefernaufforstungen im Bereich Boberger Furtweg, Moosberg, Haarteich und Boberger Baggersee entfernt. Die gefällten Bäume wurden z.T. naturverträglich mit Rückepferden aus den sensiblen Trockenbiotopen entfernt und teilweise zur Versperrung von Trampelpfaden und Wegen genutzt. Den Besuchern bieten sich nun in diesen Bereichen sehr interessante Einblicke in sich neu entwickelnde Trocken- und Dünenstandorte. So gelang es uns, Trampelpfade, die der Erkundung dieser Trockenstandorte dienten, zu schließen, ohne den Besuchern das Erleben dieser Landschaftselemente zu nehmen. Insgesamt wurde durch die Fällaktionen der sinnliche Eindruck der Weite als prägendes Element der Landschaft verstärkt bzw. wiederhergestellt.


Grundsätzlich haben wir im gesamten Gebiet eine Vielzahl von zivilisatorischen Resten abgebaut, um den natürlichen Charakter des Gebietes noch deutlicher hervortreten zu lassen.